27. Oktober 2021

Abstrakte Verweisung in der BU

Jeder, der sich mit dem Thema Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung beschäftigt, liest in allen Ratgebern: Abstrakte Verweisung. Und die sollte es nicht geben. Gefühlt jeder zweite der bei uns eine Beratung zur Berufsunfähigkeit anfragt, erklärt auf unsere Frage, was ihm/ihr wichtig ist bei der BU: keine abstrakte Verweisung.

 Wenn wir aber nachfragen, ob bekannt ist, was das ist, erleben wir meist ein Kopfschütteln und die Bitte, es zu erklären. Daher mal ausführlich beschrieben:

Formen der Verweisung in der BU

Es gibt 2 Arten der Verweisung in der BU

  • Die konkrete Verweisung
  • Die abstrakte Verweisung

Konkrete Verweisung

Diese entsteht dann, wenn du berufsunfähig bist, aber nicht so krank, dass du gar nichts mehr machen kannst. Du hast auch keine Lust, nur zu Hause zu sitzen und findest einen Job, den du noch machen kannst und willst. Zum Beispiel wie bei meinem Onkel: Er war Meister und hat Mitte 40 seinen ersten Schlaganfall bekommen. Danach konnte er seinen Beruf nicht mehr ausüben, fand aber – da er auch keine Berufsunfähigkeitsversicherung hatte und dringend Geld verdienen musste – eine Stelle als Pförtner bei einer großen Firma. Natürlich verdiente er da weniger als bisher. Eine Erwerbsminderungsrente bekam er nicht, da er 8 Stunden am Tag arbeitsfähig war, nur eben nicht in seinem Beruf.

Hätte er eine Berufsunfähigkeitsrente gehabt, hätte diese auf konkrete Verweisung geprüft, das heisst: Die Versicherung kann sagen, wir verweisen dich auf deinen neuen Beruf und müssen deswegen nicht mehr bezahlen. Für die Prüfung, ob das so akzeptabel ist, ist es wichtig, wieviel er verdient und wie die Lebensstellung im neuen Beruf ist.

Wieviel darfst du in einem neuen Job verdienen?

Verdienst ist einfach zu klären, in den meisten Bedingungen findet man die Zahl von 80 % - wenn du bis zu 80 % von dem verdienst, was du vorher verdient hast, bekommst du die BU-Rente obendrauf. Hast du mehr Gehalt als die 80 % wirst du konkret verwiesen und bekommst keine BU-Rente, allerdings brauchst du sie dann auch nicht, denn du bekommst annähernd das selbe Gehalt wie bisher.

Wie ist das mit der Lebensstellung?

Lebensstellung ist ein bisschen schwieriger und wird oft vor Gericht geklärt, denn die Versicherung ist hier oft anderer Meinung als der Kunde. Einmal angenommen, mein Onkel hätte genauso viel als Pförtner verdient wie als Meister, dann kann er noch geltend machen, dass seine Lebensstellung jetzt viel schlechter ist, weil der Beruf des Pförtners viel schlechter angesehen ist als der eines Meisters. Es könnte also sein, dass er sogar mehr verdient als vorher, aber trotzdem seine Berufsunfähigkeitsrente bekommt, auf Grund der geringeren Lebensstellung. Aber wie gesagt, das wird meist vor Gericht geklärt.

Abstrakte Verweisung:

Wie ist das aber nun mit der abstrakten Verweisung, die in jedem BU-Ratgeber zitiert wird? Hier geht es darum, dass du eben nicht konkret einen anderen Beruf ausübst, sondern die Versicherung der Meinung ist, dass du noch fähig wärest einen Beruf auszuüben, den man dir zumuten könnte, von der Ausbildung her. Ganz so einfach ist das dann auch für die Versicherung nicht durchzusetzen. Allerdings kann die abstrakte Verweisung, wenn sie noch in den Bedingungen steht, oft zu Auseinandersetzungen vor Gericht führen und das will keiner gerne. Ich kenne keine gute Versicherung, die diese abstrakte Verweisung noch in den Bedingungen hat – außer es ist extra eine abgespeckte Berufsunfähigkeitsversicherung, die deswegen auch billiger ist und damit für mich in manchen Fällen wieder interessant sein kann. Solange du weisst, was du kaufst und du damit einverstanden bist, kann das auch die richtige Wahl für dich sein.

Manche Versicherungen führen die abstrakte Verweisung wieder ein, wenn du länger aus deinem Beruf ausgestiegen bist, das kann auch eine verlängerte Elternzeit sein - das ist auch deiner der wenigen Punkte, wo die abstrakte Verweisung im Kleingedruckten zu finden ist.

Fazit:

Der Ausschluss einer abstrakten Verweisung ist bei den heutigen BU-Versicherungen Standard – daher für uns so gut wie kein Kriterium mehr, das beachtet werden müsste.

Wenn du dich also nicht selbst mit dem Thema herumschlagen möchtest, melde dich einfach bei uns über das Kontaktformular oder noch einfacher: vereinbare einfach einen Termin hier, bei einem unserer Experten für Berufsunfähigkeit.

Judith Schmied

Beitrag von Judith Schmied, Spezialistin für Berufsunfähigkeit


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