19. Juni 2020

Berufsunfähigkeit: Was machen bei ADHS ?

Gestern Abend hatte ich eine Beratung zur Berufsunfähigkeit mit einem Vater für seinen 15 jährigen Sohn, der gerade kurz vor dem Hauptschulabschluss steht.

An für sich eigentlich genau der richtige Zeitpunkt sein Kind noch als Schüler zu versichern!

Wenn da nicht die Gesundheitsfragen wären...

Dabei kam heraus das der Sohn, nennen wir ihn mal "Martin" ADHS diagnostiziert bekommen hat und bis vor kurzem auch noch Ritalin nahm.

Da sollten bei jedem Vermittler der Arbeitskraftabsicherungen berät die Alarmglocken angehen, denn ALLE Versicherungen fragen im Antrag nach Besuchen oder Behandlungen bei Psychologen sowie Medikamenteneinnahme in den letzten 3 - 10 Jahren*

GH Frage Psyche

*Wie lange eine Gesellschaft nachfragt ist unterschiedlich, je nach Anbieter 3, 5 oder 10 Jahre.

Und wer hier "Ja" angibt hat in 99% der Fälle keine Chance auf Annahme bei einem Versicherer für Berufsunfähigkeit.

Hier sind Versicherer leider sehr streng, und egal ob ADS oder ADHS, ich habe bisher nur Ablehnungen bekommen, wenn der letzte Arztbesuch nicht schon mindestens 3-5 Jahre her war.

Warum ist das so?

Statistisch gesehen haben Versicherer errechnet daß die Wahrscheinlichkeit höher sei wegen einer psychischen Erkrankung berufsunfähig zu werden, wenn zuvor schon eine ADS/ADHS Erkrankung vorhanden war.

Mir selbst wurde als Kind ADS diagnostiziert, habe zwar keine Medikamente genommen, aber hatte damit eigentlich nie Probleme, weder im sozialen Leben noch in der Schule, im Studium oder in den letzten 10 Jahren in der Versicherungsbranche. Ich kann also nachvollziehen wenn sich der ein oder andere wundert bzw. verärgert über eine Ablehnung bei einem BU-Versicherer reagiert. Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass mich die Diagnose als Kind in keinster Weise benachteiligt/eingeschränkt oder psychisch belastet hätte.

Aber jetzt zu schmollen und zu sagen "Wenn die mich/mein Kind nicht nehmen, mach ich halt nichts" hilft leider keinem.

Kalte Pizza ist besser wie gar keine! Und so ist das mit der Arbeitskraftabsicherung auch, wir können Martin aktuell keine Versicherung für Berufsunfähigkeit anbieten, auch wenn er sich jetzt noch wunderbar den günstigeren Schülertarif sichern könnte, aber es gibt Lösungen!

Was kann man machen, wenn bereits eine ADS/ADHS Diagnose besteht?

Eine "echte" Berufsunfähigkeitsversicherung schon mal nicht. Aber es gibt Alternativen die auch bei ADS/ADHS versichern würden.

Für Schüler gibt es da nicht viele Möglichkeiten, für Studenten und Angestellte gibt es zumindest ein paar mehr Anbieter die das Risiko versichern, aber eine Variante wäre die Golden IV der LV1871.

Die LV1871 bietet mit der Golden IV eine monatliche Rente für folgende Leistungsauslöser:

  • Invalidität durch Unfall
  • schwere Organerkrankungen
  • Verlust von Grundfähigkeiten
  • Pflegebedürftigkeit(inklusive Demenz)
  • Krebs

Doch das Highlight ist die "BU-Option", hier besteht die Möglichkeit frühestens nach 3 Jahren bei folgenden Voraussetzungen eine BU-Versicherung bei der LV1871 abschließen:

  • Abschluss eines (Fach)Hochschulstudiums oder einer anerkannten Berufsausbildung und Beginn der entsprechenden Tätigkeit
  • Gehaltserhöhung um min. 10%
  • Beginn einer selbständigen Tätigkeit(wenn Mitglied bei einer zuständigen Kammer)
  • Alter muss zwischen 15 bis 30 Jahren liegen

Die Voraussetzungen sind nicht für jeden immer leicht zu erfüllen, deshalb macht diese Lösung eher Sinn wenn es um einen Schüler oder Studenten geht und noch mindestens 3 Jahre zwischen dem Berufsbeginn stehen.

Bei dieser sogenannten Multi-Risk-Versicherung müssen nur wenige Gesundheitsfragen beantwortet werden.

Aber selbst wer ADS oder ADHS in der elektronischen Risikoprüfung angibt, bekommt solange keine weiteren Vorerkrankungen angegeben sind, eine "Normalannahme".  Damit könnte die BU-Option nach frühestens 3 Jahren, bei Berufsbeginn gezogen werden ohne dabei erneut Gesundheitsfragen beantworten zu müssen.

Doch diese Lösung ist auch nicht zu 100% perfekt, die Haken, abgesehen von den Voraussetzungen die erstmal erfüllt werden:

  • Der Beitrag für die BU-Versicherung richtet sich nach dem dann ausgeübten Beruf
  • Der Beitrag für die BU-Versicherung richtet sich nach dem Alter bei ziehen der Option
  • Wenn der dann ausgeübte Beruf nicht versicherbar ist, kann die Option nicht genutzt werden
  • Keine Annahme der BU bei gefährlichen Hobbys wie Reiten,Klettern,Kampfsport usw...
  • Die Leistungsauslöser für die Rente, wenn nicht in BU gewechselt greifen erst bei schweren Leistungsauslösern
  • Die Gesellschaft könnte den Vertrag kündigen, da der Vertrag sachbasiert kalkuliert wurde
  • Die Gesellschaft kann den Beitrag theoretisch beliebig erhöhen oder sogar kündigen, wenn Sie sich z.B. verkalkuliert haben
  • Der Beitrag steigt im Laufe der Beitragszahldauer mit dem Alter weiter an
  • 3 Jahre Wartezeit nach BU-Beantragung für den Leistungsfall

Dementsprechend macht dieser Tarif für mich nur Sinn, wenn auch die BU-Option gezogen werden soll.

Wie würde das jetzt in der Praxis konkret aussehen?

Martin würde sich jetzt für ca. 20€ im Monat bei der Golden IV gegen die oben genannten Leistungsauslöser absichern.

Nach frühestens 3 Jahren, wenn er seine Berufsausbildung abgeschlossen hat, melden wir uns bei ihm und berechnen den Beitrag für den BU-Tarif der LV1871. Haben bis dahin schon mindestens 3 Jahre keine Behandlungen, Untersuchungen, Arztbesuche mehr statt gefunden und wurden auch keine Medikamente genommen, sowie andere neue Vorerkrankungen diagnostiziert, können wir auch dann noch eine BU-Versicherung bei einem anderen Versicherer beantragen. Ist das nicht der Fall sind wir wahrscheinlich sehr froh, dass die LV1871 keine Gesundheitsfragen von uns verlangt.

Dafür ist die LV1871 oft bei handwerklichen, künstlerischen oder sozialen Berufen teurer wie vielleicht der ein oder andere Anbieter. Dafür gehört die LV1871 leistungstechnisch zu den stärksten Versicherern auf dem BU-Markt und ist besonders bei Abschluß als Schüler oder Student sehr preiswert.

Welche Lösung gäbe es sonst noch?

Wer nicht zwingend eine BU-Option ohne Gesundheitsprüfung möchte, könnte auf die "Grundfähigkeitenversicherung" ausweichen.

Mittlerweile tummeln sich schon einige Anbieter auf dem Markt, die eine solche Versicherung entworfen haben.

Hier gibt es allerdings große Leistungsunterschiede, hier raten wir auch immer zum Leistungsvergleich.

 Ähnlich wie die Golden IV der LV1871 gibt es auch hier wieder bestimmte Leistungsauslöser die erfüllt sein müssen um die monatlich vereinbarte Rente zu bekommen. Die Auslöser stehen mit dem Verlust oder Einschränkung einer von bis zu 50 Grundfähigkeiten zusammen. Hier ein paar Beispiele:

  • Sehen
  • Hören
  • Sprechen
  • Sitzen
  • Stehen
  • Herzfunktion
  • Lungenfunktion
  • usw...

Oft bieten Versicherer auch noch Zusatzleistungen bei schweren Krankheiten wie Krebs oder Herzinfarkt.

Auch hier gibt es Tarife mit BU-Option, wie die Nürnberger oder die Bayrische, allerdings wollen diese Gesellschaften trotzdem Gesundheitsfragen und dabei auch die Info zur Psyche/ADS/ADHS. Geben wir das dementsprechend an, folgt in den meisten Fällen ein Ausschluss für "Psyche".

Das beeinträchtigt die Grundfähigkeitenversicherung zwar kaum, dafür ist dann aber die Umwandlung in einer Berufsunfähigkeit ausgeschlossen.

Das heißt, sollte eine Berufsunfähigkeitsversicherung zumindest später noch möglich sein, also wenn in den letzten 3 besser 5 Jahren keine Behandlungen stattfanden, könnte man dann die Gesundheit erneut prüfen und gegebenenfalls noch bei einem anderen Versicherer eine BU beantragen

Lässt das der Gesundheitszustand nicht zu, besteht zumindest eine qualitativ hochwertige Grundfähigkeitenversicherung.

Preislich liegen wir hier bei einem Schüler, 9. Klasse bei ca. 40€ Zahlbeitrag.

Vorteile gegenüber der Golden IV:

  • Versicherer kann Tarif nicht kündigen und nur maximal bis zum Tarifbeitrag erhöhen
  • Mehr und einfachere Leistungsauslöser
  • Keine Erhöhung der Beiträge vorgesehen

Nachteile:

  • BU-Option nur bei wenigen Anbietern
  • BU-Option kann bei ADS/ADHS nicht eingeschlossen werden
  • Höherer Monatsbeitrag (für Schüler ca. 40-45€ bei 1.000€ Rente)

Welche Lösung ist jetzt die bessere?

Da kann ich mich nicht zuweit aus dem Fenster lehnen, beide Varianten haben Vor- und Nachteile.

Letztendlich würde ich mich danach richten wie groß der Wunsch nach dem Wechsel in eine Berufsunfähigkeitsversicherung ohne erneute Gesundheitsprüfung ist. Wenn dieser überwiegt, macht die Golden IV auf jeden Fall Sinn.

Kann ich auch noch damit leben, wenn es im "schlimmsten Fall" bei der Grundfähigkeitenversicherung bleibt? Wenn ja, macht der Abschluss einer guten Grundfähigkeitenversicherung mehr Sinn, vor allem wenn später evtl mal ein körperlicher Beruf geplant sein könnte.

In jedem Fall sollte im Vorfeld immer eine Risikovoranfrage gemacht werden, denn auch hier ist das wie mit Pizza, klar ist kalte Pizza besser wie gar keine, ABER am besten schmeckt es doch beim Lieblingsitaliener, oder in diesem Fall beim Spezialisten.

Pizzamaker

Wenn Sie sich also nicht selbst mit dem Thema herum schlagen möchten, melden Sie sich bei uns über das Kontakt Formular oder vereinbaren Sie unter "Termin suchen" direkt einen Termin bei einem unserer Experten für Berufsunfähigkeit.

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Beitrag von Kai Schmied, Experte für Berufsunfähigkeit(Schüler, Studenten, Berufsanfänger)

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